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Joey Alexander

Band: Joey Alexander

Album: Countdown

VÖ: 16.09.2016

Label: Motéma / Membran

Website: www.joeyalexandermusic.com

Was macht ein Junge, der eben ein Keyboard zum 6. Geburtstag geschenkt bekommen hat? Er setzt sich hin und spielt darauf Thelonious Monks “Well, You Needn’t”, aus dem Gedächtnis. Was wie ein mittelgut pointierter Witz klingt, ist die tatsächliche Geschichte von Joey Alexanders Jazz-Initiation. Am 25. Juni 2003 auf Bali geboren, kam er früh mit Jazz in Berührung – der Vater war und ist ein großer Fan, tagtäglich liefen Klassiker von Miles Davis, John Coltrane, Herbie Hancock oder eben Thelonious Monk. Selbstredend förderte der Vater das Talent seines Sohnes, der übrigens nicht nur diesen einen Jazz-Standard aus dem Kopf spielen konnte, sondern noch etliche mehr – immer swingender und schon bald auch mit eigenen Improvisationen dazu. Die Jazz-Veteranen von Bali und Djakarta luden ihn zu Jam-Session ein und schon mit 8 wurde Joey von der UNESCO eingeladen, dem durchreisenden Herbie Hancock ein Solo-Ständchen zu geben. „Sie haben damals gesagt, dass sie an mich glauben“, sagte der Eleve seinem Meister später, „und das war der Tag an dem ich beschloss, meine Kindheit dem Jazz zu widmen.“

Schon im Jahr darauf gewann der junge Pianist den ersten Preis beim Master-Jam Fest, einem Wettbewerb in der Ukraine mit 200 Teilnehmern aus 17 Ländern – ohne Altersbeschränkung. Er war eben 10, da trat er auf Jazz-Festivals in Djakarta und Kopenhagen auf. Eine Einladung von Wynton Marsalis führte 2014 zu seinem US-Debüt in der Rose Hall von Jazz at Lincoln Center, wo er das Publikum so sehr begeisterte, dass kurz darauf Einladungen der Jazz Foundation of America für ein Konzert im legendären Apollo Theatre in Harlem und im Arthur Ashe Learning Center in der Gotham Hall folgten. Überwältigt von der Reaktion und überzeugt vom außergewöhnlichen Talent ihres Sohnes, verkauften Joeys Eltern das Familienunternehmen in Djakarta und zogen um nach New York. Der Erfolg kam, allerdings nicht über Nacht. Konzertpromoter waren skeptisch, dass ein 11-jähriger genügend Tickets verkaufen und ein verwöhntes Jazz-Publikum begeistern könnte. Das Blatt wendete sich als George Wein ihn 2015 zum legendären Newport Jazz Festival einlud, wo Joey auch den letzten Zweifler überzeugte und mit seinem enormen Swing – oft ist da von einer „alten Seele im Jungskörper“ die Rede – zu standing ovations brachte.  

In den vergangenen zwei Jahren hat Joey Alexander enorm viel gespielt, an seinem Handwerk gearbeitet, gelernt, als Bandleader aufzutreten, sein Repertoire auch bei wiederholter Aufführung „frisch“ zu halten und sich Sidemen zu suchen, die auch als Mitspieler agieren. Im Verlauf dieser Prozesse hat das Joey Alexander Trio in bekannten Venues und bei großen Festivals in und jenseits der USA gespielt, etwa in Tel Aviv, Marciac, Montréal, Abu Dhabi, Singapore, Bern, Prag, Wien, Perugia und in seiner Heimat Indonesien. Das Medieninteresse steigerte sich mit jedem ausverkauften Konzert, mit jedem erfolgreich eroberten Publikum; dafür sprechen auch die Berichte im ZDF, CNN, The New York Times und Auftritte in der Today Show, „60 Minutes“ oder der französischen Talk-Show „Le Petit Journal“.

Sein 2015 erschienenes Debütalbum „My Favorite Things“ (Motéma/ Membran) bescherte Joey Alexander gleich zwei Grammy-Nominierungen – für das „Best Jazz Instrumental Album“ und „Best Improvised Solo“ für seine Version von John Coltranes „Giant Steps“. Und obwohl er keinen der beiden Preise gewann, sorgte er nicht nur als jüngster je in dieser Kategorie nominierter Musiker für Furore, sondern auch mit seinem Live-Auftritt bei der großen Gala dieser 58. Grammys. Seine energische Solo-Piano-Improvisation begeisterte die Stars im Publikum und sorgte für einen noch höheren Bekanntheitsgrad.    

Bei all diesem Brimborium um seine Musik, sein Können, sein Alter und seine Person ist Joey Alexander ein bescheidener und relativ normaler Junge geblieben, der nebenbei auch gerne Tennis und Computerspiele spielt, schwimmt und Filme sieht. Jetzt erscheint sein mit Spannung erwartetes zweites Album „Countdown“ (Motéma/ Membran), das eindrucksvoll seine Entwicklung als Musiker und Bandleader demonstriert. Unter den neun Stücken finden sich wunderbare neue Interpretationen von Jazz-Standards wie „Maiden Voyage“ von Herbie Hancock, „Criss Cross“ von Thelonious Monk oder dem Titelstück von John Coltrane. Neu sind mit „City Light“, „Sunday Waltz“ und „Soul Dreamer“ gleich drei eigene Kompositionen, die sich bestens neben diesen Klassikern machen.     

Seine Entwicklung als Komponist schreibt Joey den zahlreichen Stunden zu, die er an seinem Instrument übt. „Manchmal, wenn ich übe oder einfach nur irgendetwas vor mich hin spiele, kommen mir neue melodische und rhythmische Ideen in den Sinn und ich merke, dass ich eigentlich gerade einen Song schreibe“, sagt Joey Alexander. „Ich glaube, dass es eng miteinander zusammenhängt, dass ich so komponiere, wie ich es tue, weil ich so viel Musik von Komponisten höre, die ich mag. Für mich ist es tatsächlich schwieriger, Stücke anderer Komponisten zu interpretieren als meine eigenen zu schreiben, denn ich muss ja bei anderen Stücken erst einen Weg finden, wie ich sie mir zu eigen machen kann.“ Wynton Marsalis sagt über Joey: „Es gab meines Wissens noch nie Jemanden, der in diesem Alter schon so spielen konnte. Ich mag alles an seinem Spiel – seinen Rhythmus, sein Selbstbewusstsein, sein Verständnis für die Musik.“

„Countdown“ ist das bisher beste Exempel für diese überraschend überragenden Qualitäten. Die unheimliche Reife, der lebendige Swing und die faszinierenden Improvisationen, das Zusammenspiel mit Larry Grenadier oder Dan Chmielinski am Bass, mit Ulysses Owens am Schlagzeug oder – bei „Maiden Voyage“ – auch mit Chris Potter am Sopransaxophon, sorgen dafür, dass man hier eine großartige Jazzproduktion hört – und nicht eine, die großartig für einen 13-jährigen Pianisten ist. Dabei spielt Joey Alexander selbst eigentlich lieber live. „Ich mag es, Musik im Studio zu produzieren, aber es ist schon etwas sehr Besonderes, live vor Publikum aufzutreten. Ich versuche in den meisten Situationen ruhig zu bleiben, aber ich mag diese intensive Energie, die zwischen mir und dem Publikum entsteht. Wenn sie ihre Begeisterung zum Ausdruck bringen, spornt mich das an, mich als Mensch und Musiker weiterzuentwickeln, mein Spiel zu verbessern und neue, aufregende Sounds zu erschaffen.“

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